gitarreProgressive Rock entwickelte sich Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, als die auf Blues-, Jazz- und Rock’n’Roll-Strukturen basierende und mehr oder weniger eingeschränkt instrumentierte (Gitarre, Bass, Schlagzeug) Musik weiter entwickelt wurde. Übernommen wurden stilistische Elemente der klassischen und asiatischen Musik. Auch wurde die Instrumentierung vor allem durch den Einsatz von elektrischen Tasteninstrumenten wie der Hammond-Orgel, zum Instrument „umfunktionierte“ Alltagsgegenstände, Instrumente aus Fernost und Instrumente der klassischen Musik, erweitert.

Diese Umwälzung der Rockmusik äußerte sich zudem in den Liedtexten: Wurden bis dato eher leicht verdauliche Allerweltsthemen behandelt, wagten sich die Musiker in den Kernausagen ihrer Songs auch an brisante politische oder gesellschaftskritische Themen. Im Progressive Rock fanden schließlich auch surreale Themen aus Traum- und Märchenwelt erstmals einen Platz. Die ersten progressiven Ansätze hören Sie auf den Alben der Beach Boys („Pet Sounds“, instrumentaler Einsatz von Löffeln, Cola-Dosen oder Fahrradklingeln) oder Beatles („Rubber Soul“, Einsatz einer indischen Sitar).

Als das erste „wirklich“ progressive Rock-Album wird King Crimsons „In the Court of the Crimson King“ (1969) gehandelt. Zu den Instrumenten zählte ein Mellotron, mit dem Alltagsgeräusche „gespielt“ wurden (es wird heute noch in der Filmvertonung eingesetzt). Ein weiterer stilbildender Aspekt war die beträchtliche Länge der Stücke: In langen Instrumentalteilen mit virtuosen Soli dehnten sich die Stücke auf ungewohnte Länge (bis zu 20 Minuten). Viele Merkmale dieses Albums wurden von anderen Musikern und Bands aufgegriffen und weiter entwickelt. Stilprägend war nicht zuletzt auch Mike Oldfiels „Tubular Bells“, ein mehrteiliges Album, das aufgrund seiner Komplexität nur auf zwei Schallplatten unterzubringen war. Es gilt als das erste Konzeptalbum, d.h. der Behandlung eines einzigen Themas, einem weiteren Markenzeichen des Progressive Rock.

Wegbereiter in der klassischen Phase des Progressive Rock ab 1969 waren unter anderem Genesis, Emerson, Lake & Palmer, Yes und Jethro Tull. Ende der 70er Jahre verlor die Entwicklung an Dynamik. Durch Änderungen in der Bandbesetzung ergaben sich oftmals stilistische Neuorientierungen, zudem drängte sich der neue Punkrock und ab den 80er Jahren New Wave mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses. In den 90er Jahren dann erlebte das Genre mit dem Progressive Metal wieder einen gewissen Aufschwung. Einige der klassischen Bands des Progressive Rock, etwa Jethro Tull, sind bis heute aktiv und ihrem Stil treu geblieben.

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